Börfink

9. April 2018|

Börfink, inmitten des Nationalparks Hunsrück Hochwald gelegen, ist nicht erst seit der Ausweisung des Großschutzgebietes im Jahres 2015 eine landschaftliche Perle. In einer walddominierten Umgebung liegen die die drei Ortsteile Einschieder-Hof, Börfink und Thranenweier auf extensiv bewirtschafteten Grünlandinseln. Der Naturschutz spielt hier seit Jahrzehnten eine große Rolle. Die vier Naturschutzgebiete sind ein Mekka für Pflanzen- und insbesondere Schmetterlingsfreunde. überregional bekannt sind die Borstgrasrasen und Arnikawiesen sowie die Hangbrücher Riedbruch und Ochsenbruch. Hier finden aktuell Renaturierungen statt, die den Hangmooren ihre Funktion als Wasserspeicher und Heimat hochspezialisierter Lebensgemeinschaften zurückgeben sollen.

Wasser und Wald haben die Entstehung und die Geschichte von Börfink maßgeblich geprägt. Die Traun entspringt im Thranenbruch zwischen Hüttgeswasen und der kleinen Siedlung Tranenweier. Im 18. und 19.Jahrhundert lieferten der klare Mittelgebirgsbach und seine Nebenbäche die Wasserkraft für den Betrieb eines Sägewerks bei Thranenweier und mehrerer Mühlen auf dem Einschieder Hof und in Börfink.

Der Bestand des 1710 erbauten Sägewerks war nur von kurzer Dauer, weil „missgünstige gottlohse Leuthe“ die Anlage Pfingsten 1716 in Brand setzen. Sie wurde wieder aufgebaut und bis 1742 weiter betrieben. Der Staudamm ist heute noch deutlich im Wiesengelände unterhalb der Ortslage erkennbar.

Das Ochsenfloß speiste ab 1833 über ein Mühlgrabensystem die Ölmühle auf dem Einschiederhof. Bis heute erhalten sind Teile einer Vollkornmühle im Anwesen der Familie Collet. Die Mahleinrichtung ist noch weitgehend intakt, das Mühlrad fehlt allerdings. Das 1865 erbaute Quereinhaus dient heute als Gasthaus mit Gästezimmern. Es liegt am Ortsrand von Börfink, ganz in der Nachbarschaft zum Traunbach.

Der Wald war über Jahrhunderte Arbeitsplatz der Menschen und Rohstofflieferant für die Hüttenindustrie, die im 17. Und 18.Jahrhundert in der Region eine vorübergehende Bedeutung erlangte. Zum Schmelzen der Erze wurden große Mengen Holzkohle benötigt. Zahlreiche Kohle­meilerplätze zeugen heute noch von dieser intensiven Form der Waldnutzung.

Für Besucher hat Börfink einige Besonderheiten zu bieten: Der Forellenhof Trauntal ist der größte Fischzuchtbetrieb von Rheinland-Pfalz. Die Frau des Hauses bereitet hervorragende Fischgerichte zu: ob gebraten, gekocht, geräuchert oder gebeizt- die selbstgezogenen Salmoniden sind in jeglicher Zubereitungsform ein leckeres Produkt aus heimischen Gewässern. Auch Angler kommen an den Angelteichen auf Ihre Kosten.

Einen barrierefreien Zugang zum Nationalpark gibt es neuerdings in Thranenweier. Hier gibt es einen Rundweg von 2 Kilometern Länge auf dem ganz viel zu sehen ist: die typischen Pflanzengesellschaften eines Moores können auf dem nagelneuen Holzsteg ins Riedbruch erkundet werden. Das funktioniert zu Fuß, mit Rolli oder im Kinderwagen. Es schließen sich artenreiche Borstgrasrasen mit Arnika-Vorkommen an. Besonders eindrucksvoll sind die hügeligen Wiesen, die die Heimat der Gelben-Wiesen-Ameise sind. Die versteckt lebenden Insekten bauen Ameisenhügel, die begrast sind. Die Ameisen halten sich Wurzel-Läuse als Haustiere, von deren honigartigen Ausscheidungen Sie sich ernähren.

Ein Relikt aus vergangenen Jahrzehnten ist die Bunkeranlage „Erwin“ an der K 49. In den 1960ern erbaut, wäre im Kriegsfall in dieser Anlage die Kommandozentrale des westlichen Bündnisses untergebracht gewesen. Die unterirdische Festung galt als atombombensicher. Im Normalfall war „Erwin“ während des allgemeinen Dienstes mit rund 350 Soldaten besetzt, bei Übungen waren es bis zu 750 Soldaten. Von 1964 bis 1992 beherbergte „Erwin“ daneben die Einsatzzentrale des Radarführungsdienstes zur Luftraumüberwachung. Heute ist die Anlage zivil genutzt. Es entsteht dort ein Rechenzentrum. Außerdem sind in einem überirdischen Verwaltungsgebäude die Ranger des Nationalparks mit ihren Büros und Werkstätten untergebracht. Vielleicht gelingt es, dieses Relikt des Kalten Krieges für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Für Wanderer gibt es in Börfink und umzu Angebote in Premiumqualität: der 410 km lange Saar-Hunsrück-Steig führt von Perl bis Boppard und streift mit seinen naturnahen, erlebnisreichen Wegen auch das schöne Trauntal. Flankiert wird der Premiumwanderweg von mittlerweile 111 Traumschleifen. Vor Ort laden die „Börfinker Ochsentour“ und der
,,Trauntalhöhenweg“ zu einem Wandererlebnis der besonderen Art ein.

Zur Geschichte des Hochwaldortes Börfink

nach Dr.Ing. Hans-Eugen Bühler, Rheurdt

Börfink zählt zu den Hüttendörfern des Hunsrücker Hochwaldes, die als Folge einer blühenden Eisenindustrie im 18. Jahrhundert gegründet wurden. Der Ort ist die jüngste Holzhauer und Kohlenbrennersiedlung des Hochwaldes.

Die Bezeichnung Börfink, zuerst auch Boerfinks- oder Bierfinkshütten genannt erscheint als Ortsnamen erstmals im Jahre 1769 im Taufregister des katholischen Kirchenbuches Birkenfeld. Bereits 3 Jahre später wird angegeben, dass im Ort 9 Familien ansässig seien.
Als Gründung des Ortes wird laut den Arbeiten von „Saueressig“, „Mertens“, „Schubert“ und „Pfeiffer“ ebenfalls die Zeit um 1770 angeben. Beträchtlich jünger als Muhl ist Bier(bör)fing, das auch nicht wie Muhl und Züsch eine Niederlassung katholischer Wallonen, sondern lutherischer Deutscher war. Eine genaue Feststellung des Gründungsjahres kann man deshalb nicht feststellen, da das 1798 neu angelegte Kirchenbuch der Pfarrei Birkenfeld nach Einziehung durch die Franzosen abhanden gekommen ist. Zufällig bietet das Züscher Kirchenbuch 2 Anhaltspunkte die wenigstens eine annähernde Fesstellung erlauben. 1773 erscheint ein Gevatter Joh. Karl Hartmann sich aufhaltend auf den Baracken hinter dem Einschieder Hof. Und 1779 Mari Elisabeth „Hartmännin“ des Lorenz Hartmann auf den Bierfincks Hütten als „Got“ (Patin). Folglich war Bierfing schon vorhanden.
Nach der Karte des Oberamtes Birkenfeld von 1779 die Bierfing genau an der heutigen Stelle zeigt  und ebenfalls die Angabe von Muhl, bereits 1719 erwähnt, war somit die fragliche Niederlassung mit Bewilligung  bzw. auf Anordnug der hintersponheimischen Regierung kurz vor 1773 entstanden, anfangs noch namenlos zwischen 1773 und 1779 die Birfingshütten genannt.Laufende Eintragungen und Amtshandlungen verzeichnet das evangelische Kirchenbuch in Birkenfeld  und Allenbach ab 1774  und das katholische ab 1779 .

Ungefähr auf die gleiche Gründungszeit führt auch, was man sich über Bierfing über die Art seiner Entstehung erzählt…. Zuerst habe auf der gegenwärtigen Ortsstelle rechts der Tran (Traun) ein gewissser Balduin Hartmann seine Köhlerhütte errichtet und nach seinem Namen habe man sie  Balduinshäuschen genannt. Danach hätten sich seine Brüder Kasper und Peter bei ihm angesiedelt, die noch weiter im Walde als Kohlebrennner gehaust und deren Namen dem Kasparsbruchund Kolenpetersbruch ihre Namen gegeben hätten. Zu den 3 Brüdern seien noch 4 weitere Köhler oder Hozhauer gezogen die bis dahin –wahrscheinlich aber nicht sehr lange- links der Traun bei dem Guten Born gesessen hätten und so sei die Siedlung anfangs aus 7 Haushalten bestanden.  Zu den letzten 4 Zuzüglern gehörte eben auch Lorenz Hartmann, der Vater der 1779 erwähnten Patin Mari Elisabeth Hartmann, der selbst der Sohn von Jost Hartmann auf dem Ruppelstein – infolge der Aufhebung von Schneidershütten i.d.J 1759-61 mit seiner Familie zuerst noch zu seinen Eltern auf den Ruppelstein oder auch sogleich auf den sog. Birfing (Links der Traun) gezogen und der zutreffenden Behautung gemäß die „Hartmänner“ auf dem jetzigen „Birfing“ seien allegar verwandt miteinander, ein Vetter der erstgenannten 3 Brüder Hartmann war.

Quelle: Homepage www.gemeinde-boerfink.de